Pulsnitz - Keulenberg - Königsbrück

9.07 fährt der Zug nach Kamenz vom Neustädter Bahnhof ab. In Pulsnitz überqueren wir am Bahnhof die Gleise auf der S104 in Richtung Norden und biegen dann links in die Feldstraße ein, an deren Gabelung wir dem rechten Arm Richtung Westen folgen, bis wir auf die Bachstraße treffen. Nach Norden, auf der Brücke über die Pulsnitz, dann kommt der Zugang zum Perfert. Das ist die einzige erhaltene bäuerliche Wehranlage aus der Zeit der Hussitenkriege um 1420 und eine Außenanlage des Pulsnitzer Heimatmuseums. Er steht auf einem Erdwall, einige Stufen führen hinauf. Der umgebende Graben konnte bei Gefahr geflutet werden. Das Dach war ursprünglich mit Lehmschindeln gedeckt, als Schutz vor den Brandpfeilen der Hussiten, später mit Stroh.

Neben dem Museum sind die Gebäude der ehemaligen Mittelmühle zu sehen.

Weiter die Bachstraße entlang, vorbei an sehenswerten Gehöften, dann geht die Straße in einen Feldweg über, der auf eine Kleingartenanlage mit einem kleinen Teich zuführt. Am Brücklein blühen Buschwindröschen.

Der Wanderweg (Gräfenhainer Wanderschuh) führt durch ein Wäldchen und über eine große Wiese (unbefestigt). Jetzt sehen wir schon den Keulenberg mit seinen zwei Gipfeln. Weiter geht es am Rand von Friedersdorf entlang, dann leuchtet die blau angestrichene Zillermühle uns entgegen. In der dazugehörigen Bäckerei kann man auch eine Knackwurst zu seiner Semmel erwerben oder einen Kaffee trinken.

Hier biegt auch der Weg zum Keulenberg ab.

Nun geht es immer bergauf, an der Schutzhütte vorbei, bis zum 413 m hohen Gipfel. Oben gibt es ein festes Haus mit Gaststätte und Pension sowie den Imbiss "Goldene Wurzel". Das Turmgeld (Erwachsene 50 Cent, Kinder 25 Cent) ist am Andenkenkiosk zu entrichten. Vorbei an einem Obelisken geht es die Treppe zum Aussichtsturm hinauf. Die Aussicht ist großartig.

Dann zur Ruine des Jagdschlösschens, das die Gräfin Friedericke Sophie von Holtzendorff 1733 errichten ließ. Hier gab es jährlich am Tag "Heimsuchung Mariens" (2. Juli) ein Schützenfest, der Schützenkönig erhielt von der Oberlichtenauer Herrschaft einen silbernen, mit Gold beschlagenen Becher. 1833 wurde das Schlößchen durch einen Orkan zerstört.

De "Gräfenhainer Wanderschuh" führt uns nun mit der Wegemarkierung roter Strich steil den Berg hinunter. Am Waldrand eine Schutzhütte, zehr Minuten später erreichen wir Gräfenhain. Ein Bächlein begleitet die Keulenbergsraße, am Rand blühen Buschwindröschen und Scharbockskraut. Ein Sühnekreuz mit der Ritzzeichnung eines Beils erinert an eine schlimme Tat.

Die Grundstücke sind mit wunderschönen Granit-Trockenmauern eingefasst. Weidenstrünke und Steingartenpflanzen haben sich darin angesiedelt.

Das Kofferradio-Museum soll nicht unerwähnt bleiben. Ebenso originell die Kunstobjekte am und im Dorfteich! Das Schönste aber ist die uralte Scheune weiter nördlich im Dorf mit ihren Schießscharten-Fenstern.

Eine Kiste voller Granitbrocken erinnert an die 700-Jahrfeier Gräfenhains (2009). 1992 wurde die "Gerechtigkeitseiche" gepflanzt, damals wurde der Dorfplatz Eigentum der Gemeinde und Rückübertraungsansprüche erfolgreich zurückgeschlagen. Die Bürger hatten viel Arbeit in diesen Platz gesteckt. Leider ist der Konsum, der im NAW (Nationales Aufbauwerk) errichtet wurde, nicht mehr vorhanden. Auch der ehemalige Gasthof Gräfenhain - das alte Erb- und Lehngericht - bietet einen traurigen Anblick. Essen und Trinken kann man im Rucksack mitnehmen, bei einer Toilette gestaltet sich das schon bedeutend schwieriger.

Ganz besonders interessant ist der Gedenkstein für den "Hof-Okulisten" (Augenarzt) Georg Bartisch, der 1535 hier im Ort geboren wurde.

Am Ortsausgang beginnt endlich der Wald. Auf schattigen Pfaden geht es bergauf, zu einer kleinen Aussichtsbank für einen Abschiedsblick zum Keulenberg. Kurz darauf erreichen wir eine Kriegsgräbnerstätte mit Aussicht auf Königsbrück. Nun beginnt ein steiler Abstieg, an dessen Ende der Wanderweg zu einem toten Bahnhof führt. Das ist nicht nett! Wo ist der richtige Bahnhof? Über eine riesige Wiese voller Frühlingsblume, die sich langsam abendfertig machen, geht es vorbei an der alten Stadtmühle und der verfallenen Eisenbahnbrücke, bis sich endlich ein Pfad in Richtung Stadt auftut.

Auch der neue Bahnhof wirkt wie ausgestorben, doch nach einer Stunde kommt tatsächlich ein Zug und bringt uns zurück nach Dresden.